Musik

Der Klang der Steine.

Es ist der Klang, der das Echo in den Bergen bildet, das der Orientierung und der Standfestigkeit dient.
Es ist der Klang, der sich nach dem Aufstehen im Bad durch die Fußsohlen erfühlt.
Es ist der Klang, der morgens in der Teetasse, die immer in irgendeiner Art und Weise aus Stein besteht, tönt.
Es ist der Klang des Handlaufs im Treppenhaus, den die Hände spüren.
Und, so merkwürdig dies klingen mag, es ist der Quarz im Handy, der den Stein am Ohr hält, klingend und zugegebenermaßen weit weg vom Echo der Alpentäler.

Dort wo die Hirten hören lernen, wie ihre Stimmen im Stein räsonieren. Dort wo das Echo die Entfernung misst, der Klang sich nicht nur im Ohr festsetzt, sondern auch in der Nase. Es riecht der Stein, er duftet, auch der Klang des Steins riecht und duftet, wie die Sufis sagen. Man kann ihn auch schmecken und streicheln, den Klang im Stein.
 
Er beginnt mit den Händen zu zittern, zu vibrieren, verbindet sich mit ihnen, öffnet sich und entfaltet eine Art klanglicher Zeitlosigkeit. Der Klang der Steine, die immer älter sind als das Leben, lässt eine Ursprache erahnen und erfahren, die weit vor die Menschheit zurückreicht.

Ihr Verstehen ereignet sich in der Komplexität musikalischen Denkens. Nicht vergleichbar mit der sprachlichen Begrenztheit, vielmehr ausgedehnt auf alle Bereiche menschlicher Sinneswahrnehmungen. Pulsationen, Vibrationen, Bewegungen im Raum, Klänge, Rhythmen, Harmonik, die Komplexität ihrer Zusammenfügungen (Componere).

Dies und noch einiges mehr macht Musik und alle Bereiche des Lebens aus. Die Ganzheit der menschlichen Existenz ist hier bedeutsam und gemeint. Hierzu gehört nicht nur der Geist, sondern auch die Materie, die in ihrer Klanglichkeit denkfähig ist.
 
Der Stein ist sicherlich die genialste Materie, in welcher Klang angelegt ist. In den Steinen können die Klänge bewegt werden, es können ganze Klangkomplexe durch den Stein gezogen werden, um sie schließlich an einer Stelle, die eigentlich einen ganz anderen Klang besitzt, verklingen oder in einen anderen Klang übergehen zu lassen.

Kein Stein gleicht dem anderen, jeder verfügt über sein eigenes, individuelles Klangpotential. Dies entwickeln zu helfen, zu pflegen und auszubauen ist Teil der Kooperation mit dieser Materie. Sie denkt. Sie denkt musikalisch, nicht begrifflich, sie denkt in einem Resonanzfeld, welches aktiv arbeitet.
 
Wenn die gewässerten Hände den KlangStein berühren, erfüllt ein tiefes Raunen den Raum, wird diese Musik der Erde nicht nur hör- sondern überall spürbar, manifestiert sich dieser Klang als das Gedächtnis der Erde, letztendlich ewig, keiner Mode unterworfen.

 
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