Die Bedeutung von Musik

Es hat sich aus meinen Newslettern und Beiträgen viel entwickelt in diesem Jahr. Es sind richtige Freundschaften, gute Korrespondenzen und wichtige Diskussionen entstanden.

Ich bin von meinem Tun, meiner Musik, meinem Spielen, Denken und Schreiben nach wie vor vollends überzeugt. Und ebenso von der Bedeutung von Musik.

Nur hin und wieder ärgere ich mich und gerate – meistens am Abend – an einen Punkt, wo ich versucht bin mich ernsthaft zu fragen, ob das was ich tue, überhaupt irgendwelche wahrnehmbaren Auswirkungen hat. Ob es in der Lage ist, irgendetwas zu verändern.

Während meines Studiums wurde die „Bastian-Studie“ veröffentlicht, eine noch heute lesenswerte und bedeutende Studie über die Auswirkung von gesteigertem Musikunterricht in der Grundschule.

Zwei Klassenstufen an unterschiedlichen Berliner Schulen wurden verglichen. Die eine bekam, so weit ich mich erinnere, sechsmal so viel Unterricht im Fach Musik wie die andere.

Die Ergebnisse waren überzeugend: Höherer IQ der Schüler, Kooperation statt Konkurrenz, weniger Gewaltbereitschaft, und eine kreativere Atmosphäre.

Wir waren begeistert und glücklich, das Fach Musik studieren und in den Schulen solche Veränderungen hervorrufen zu können.

Was für eine Perspektive!

Bedeutung von Musik

Aber was geschah dann?

Nichts. Gar nichts!

Vielmehr wurde der Musikunterricht zu Gunsten des Computers großflächig abgeschafft. „Ja aber da gibt es doch den Beweis“, entgegneten wir, „was Musik alles auslöst!“. Breitflächiges Schulterzucken war die Reaktion, es interessierte offensichtlich niemanden. Irre, wie man eine so großartige Chance verpassen kann.

Wenn man bedenkt …..

…. und trotzdem arbeitete ich weiter.

Unter anderem auch deswegen, weil Musik und Kunst für mich immer sehr viel mit Freiheit, die ich brauche und liebe, zu tun hat. Freiheit des Geistes, Freiheit der Emotion, Freiheit des Denkens und Tuns.

Ich liebe es, Musik zu machen, Klavier und Stein zu spielen.
Ich liebe es, Menschen zu erreichen.

Eines der wirklich wichtigen Erlebnisse ist es, wenn nach einem Konzert ein Zuhörer oder eine Zuhörerin vor einem steht und tief bewegt mitteilt, dass ich/wir sie zum glücklichsten Menschen gemacht haben.

Bei den Klangsteinkonzerten geschah dies immer. Es war am Anfang ungewohnt, wenn die Zuhörer einfach nicht gingen, sondern nach der zigsten Zugabe langsam aufstanden und zu uns nach vorne kamen. Die sich hier ergebenden Gespräche lernte ich nach und nach so zu schätzen und nun möchte ich sie nicht mehr missen.

Auch hier entstanden Beziehungen, Verbindungen, Freundschaften.

Bei den klassischen Klavierabenden war dies früher nicht so. Ich saß dann oft alleine gelassen in der Garderobe und wusste nicht wirklich, was ich jetzt mit mir anfangen sollte.

Auch das hat sich bei mir verändert seitdem ich die Mandala-Klavierstücke geschrieben habe und spiele. Erst am letzten Mittwoch spielte ich in meinem Salzburger Atelier fünf Stücke und löste ähnliche Reaktionen aus wie bei den Steinen.

Es hat sich also gelohnt weiterzuarbeiten!

Wie sieht es nun mit den Auswirkungen des eigenen Tuns aus?

Meine Mutter war überzeugt, dass man durch das Hören und Spielen von klassischer Musik ein besserer Mensch wird. Deshalb durfte bei uns zu Hause auch keine Rockmusik oder andere Arten von Musik gespielt werden. Sie schuf sich ihre eigene Welt jenseits der Realität.

In den letzten Jahren geriet ich beim Diskutieren zum Thema Auswirkung von musikalischem Tun immer wieder an diesen Punkt und ertappte mich dabei, dass ich nun diese Position einnahm.

Nicht, dass ich es auf klassische Musik beschränkte, das nicht. Sondern ich denke, dass das Musikmachen an sich viel mehr Wirkung auf den Menschen hat als allgemein nur annähernd geahnt wird. So nehme ich für mich die Rolle des Sysiphosianers wahr und verbreite alles, was hier wichtig ist.

Denn: „Leben heißt Veränderung, sagte der Stein zur Blume und flog davon“.

Bedeutung von Musik

4.1.2

Die Romantiker wie Schubert, Schumann oder auch Chopin waren der Meinung des W.A. Wackenroder: Dass die Transformation in der Kunstwelt die einzige Möglichkeit ist, die Welt zu ertragen und auch in der Lage zu sein, die Welt zu verändern.

In den „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruder“ kann man dies nachlesen. So wurde es üblich, in verschiedenen Welten leben zu lernen: In der realen, teilweise unerträglichen, und in der anzustrebenden, der Kunstwelt.

Nehmen wir einmal an, man wird durch Musik zu einem besseren Menschen: Edel, ethisch-moralisch integer, immer ehrlich und human, nie etwas Böses beabsichtigend. Das alles durch Musik erreicht und hervorgerufen!

Schafft man es damit, die inhumane Welt zu verändern, Kriege zu verhindern, unerträgliche Verhaltensweisen abzuwenden?

Ich bin davon überzeugt, werde diese Vorstellung nicht aufgeben, trotz allen erfahrenen Niederlagen.

Beim Spielen mit den Klangsteinen, beim völlig anderen „Lehren“ dieses Spielens, bei den Konzerten geschehen Dinge, die sich in diese Richtung bewegen. Warum dies so ist, weiß ich rational nicht.

Vielleicht ist es der Stein, die Materie, auf der wir immer stehen und leben, die uns den Boden in unserem Elfenbeinturm zurückgibt, uns wieder klar werden lässt.

„Und vergessen Sie nicht vom Stein zu träumen, vom moosigen Stein, der im Bergbach liegt seit tausend und tausend Jahren, gebadet, gekühlt, überspült von Schaum und Flut! Sehen Sie mit Sympathie seinem Dasein zu, das wachste Sein dem tiefst schlummernden, und begrüßen Sie ihn in der Schöpfung! Ihm ist wohl, wenn Sein und Wohlsein sich irgend vertragen. Recht gute Nacht!“ (Thomas Mann)

Die Nächte bei mir sind immer noch kurz. Ich liebe es, gegen 3 Uhr aufzustehen und mit der ersten Teetasse anzufangen zu denken, zu schreiben, zu komponieren.

Zu dieser Zeit sind die Gedanken frei und ich kann sie auch gut erraten, kann herausfinden was sich so in mir bewegt. Ich genieße diese tönende Stille des Äthers, die Musica Mundana meines Seins.

Und wenn ich so in mich hinein-höre, bin ich nach wie vor völlig überzeugt, dass es das Beste im Leben ist, Musiker zu sein und täglich daran zu arbeiten, die Überzeugung zu verbreiten.

Ich bin davon überzeugt, dass es meistens besser ist, Musik und Klänge in die Welt zu schicken als Worte.

Deshalb beende ich diesen Beitrag mit einem Zitat, das ich täglich spiele:

Wer die Steine reden hört weiß es werden nur Steine bleiben
Wer den Menschen reden hört weiß es werden nur Steine bleiben ….