Die Musik der Sphären

Beschäftige ich mich mit musikalischen Themen, komme ich fast immer auf den griechischen Ursprung unserer abendländischen Kultur.

Angefangen bei den Vorsokratikern um 600 v. Chr. bis hin zur Jahrtausendwende waren es griechische antike Denker, Philosophen, Mathematiker sowie Astronome, die zu den wichtigen Themen des Lebens Artikel und Bücher schrieben und in den Akademien lehrten.

Im Fall Musik beginnen wir bei Pythagoras von Samos, der von 570 bis 510 v. Chr. lebte. Seine Gedanken und Ideen überdauern nach wie vor in seinen Nachfolgern, den Pythagoräern.


Pythagoras von Samoa

Die Beschäftigung mit Pythagoras beginnt meist mit der Legende der Hämmer, dem Klopfen mit unterschiedlich großen Exemplaren dieses Handwerkszeugs, welche – in ganzzahligen Verhältnissen gebaut – unterschiedliche, konsonante Klänge erzeugten.

Von diesem Beispiel der Musica Instrumentalis ausgehend, zog der Philosoph Rückschlüsse auf den Menschen. Auf das, was er die Musica Humana nannte, die Musik des menschlichen Körpers, des Geistes und der Seele.

Die wiedergefundenen Proportionen, in der Geometrie beschrieben und erklärt, führten zur Astronomie.

Sie führten zur Erkenntnis, dass auch hier eine vergleichbare Ordnung zwischen den Gestirnen herrscht, die er dann Musica Mundana, die Musik der Sphären nannte.

Sphären

Das Geheimnis der Harmonik

Die Musik der Sphären wurde um den Begriff „Harmonik“ erweitert, was im Altgriechischen „Ebenmaß/Übereinstimmung“ bedeutet und ein wichtiger Terminus aus der Musiktheorie ist.

Ein Teilbereich hieraus ist die Harmonie: Die Vereinigung zu einem Ganzen, zu Einklang, zu Eintracht.

Harmonik, das Harmonikale, hat heute primär mit dem Schöpfungsklang, der Klang-Kosmogonie zu tun, der Erforschung der Schöpfungsmusik. Mit der Erschaffung der Welt aus dem Klang.

Pythagoras und die nachfolgenden Pythagoräer waren so etwas wie die Urväter der Harmonik.

Mittels ihrer Berechnungen, durch die Hereinnahme der Zahl, dem Symbol für das Rationale in das musikalische Denken, wurde der Klang mit seinen Berechnungen zum Begriff, er wurde sprachlich erfassbar.

Nur, wer die Musik auslöst – das wird noch heute diskutiert. „Pythagoras sagt nicht,“ so der Philosoph Schelling, „dass die Bewegungen der Planeten Musik verursachen, sondern, dass sie es selbst seyen.“

Damit ist Bewegung an sich Musik und sie muss nicht erzeugt werden.

Sphären

Das Band der Welt

Die Beschäftigung mit der Sphärenharmonie, dem Schöpfungsklang, der Verbindung zwischen dem Kosmos und dem Tönenden, die Ordnungen des Klangs, die Harmonik derselben – all das begleitet die Menschheit seitdem unaufhörlich.

Sie spiegelt die Sehnsucht nach der Kenntnis und dem Vertrauten mit dem Sonnensystem, unserer kosmischen Heimat wider.

Dieselben verleihen Sicherheit, vermitteln die Vorstellungen von Ordnungen, von Klarheit und eigener Verortung.

Um 1619 legte der Astronom Johannes Kepler mit dem Werk „Harmonicae Mundi“ seinen Beitrag zur Weltharmonik vor.

Seine Grundidee war die Erforschung der Gestirne mit dem Ziel, ein gemeinsames Band zwischen Geometrie, musikalischer Harmonie und Astronomie zu finden und dies beweisen zu können.

Es ist das Band, welches nach seiner Ansicht „die Welt im Inneren zusammenhält“ und das, in Bezug auf die Musica Humana, aus göttlichen Urbilder zusammengesetzt ist, die auch in der menschlichen Seele als Archetypen angelegt sind.

Erst dadurch ermöglichen die humanen Sinnesorgane dem Menschen, die harmonikalen Strukturen wahrzunehmen.

Kepler durchlief das Quadrivium der damaligen Bildung, bestehend aus Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie.

Er war – wie Hartmut Warm festhält – „vielleicht der letzte Sternenkundler, der konsequent geometrisch und musikalisch dachte“. Er fand heraus, dass die Planetenbahnen nicht Kreis- sondern Ellipsenbahnen sind und ging davon aus, dass die Gestirne in einer harmonischen Ordnung ihre Bahnen ziehen würden.

Er „war bei seiner Suche stets überzeugt, dass Gottes Handschrift am sichtbaren Himmel zu erkennen sein müsse. Er entwickelte ein Modell, das die Planetenabstände sichtbar machen sollte.“

„Außerdem setzte er die Planeten so in Bewegung, dass sich musikalische Intervalle ableiten ließen, die er dann (…) zu einer Tonleiter zusammenstellte.“
Zitat Sophie Bögner aus ihrer Abhandlung „Die Schöpfung aus dem Klang

Das erwähnte Werk zählt zu den epochalsten Ausführungen zu diesem Thema.

Sphären

Von der Sphärenmusik

Obwohl ich mich mit dem Thema der Sphärenharmonie schon seit Jahrzehnten beschäftige, kam ich bei meinem Schreiben über das Thema „Signatur der Sphären“ in den letzten Wochen einfach nicht weiter.

Je mehr ich forcierte, je mehr ich mich zwang zu schreiben, desto mehr kam ich immer wieder zu einem Punkt, an dem ich feststellte, dass ich nichts weiß, absolut gar nichts. Alles in mir war öd und leer. Irgendetwas blockierte mich.

Ich wollte ursprünglich über Hartmut Warm schreiben, dem Mann hinter dem Begriff „Die Signatur der Sphären“ und Autor des Buches mit demselben Titel.

Ich wühlte mich in dieses Thema hinein, geriet immer tiefer in den Sog und wurde immer unfähiger, selbst etwas dazu zu sagen.

Erst als ich den Satz bei Warm las: „(…) Denn die vielschichtige Ordnung legt eher nahe, dass die kosmische Heimat des Menschen wie eine wohldurchdachte musikalisch-geometrische Komposition aufgebaut ist“, wusste ich schlagartig, dass dies sehr sehr viel mit mir, meinem musikalischen-künstlerischen Arbeiten zu tun hat.

„Die Grundbausteine von Galaxien, Sonnen, Wandelsternen, Pflanzen, Tieren und Menschen (…) sind demnach durch Proportionen verknüpft, welche denen der vom Menschgeist geschaffenen (Einschub von mir: gefundenen) musikalischen Ordnung sehr nahe kommen“.“

So kann man mutmaßen, dass auch bei der Erschaffung der ganzen Welt eine Sphärenmusik erklungen ist und kein ohrenbetäubender Knall zu hören war“, schreibt Warm.

Es wurde mir klar, dass ich, seit ich denken kann, nichts anderes als das mache – dass ich nur damit beschäftigt war und bin, diese Sphärenmusik zurück – zu – schreiben, hervor – zu – holen aus den Steinen, mit den Tasten, den Stimmen. Sie sichtbar zu machen in meinen Musik-schreib-formen-& -arten und sie zum Klingen bringe.

Sphären

Aus diesen Gründen lesen sie über die Signatur der Sphären erst im nächsten Beitrag. Danke für die Geduld!

Herzlich
Ihr Klaus Fessmann