Selbstheilungskräfte

Liebe, sehr geehrte AbonnentInnen, liebe Freunde,

was immer an dieser aktuellen Krise dran sein mag, ich kann es schwer beurteilen, auch wenn ich mich durchaus auf solche Institutionen wie das Robert-Koch-Institut im Normalfall verlasse.

Wer hier welche Politik macht und wer die Strippen zieht, interessiert mich nicht.

Musica Mundana, Instrumentalis, Humana

Was mich in erster Linie interessiert, und das war immer schon so, ist der Mensch und das, was Pythagoras die Musica Humana nannte.

Zwar leitete er alles aus der Zahl ab, sie war das entscheidende Kriterium (die Arithmetik), und nicht aus dem Phänomen, dem Klingenden an sich, aber das Dreier-System Musica Instrumentalis, Musica Humana und Musica Mundana weist nach wie vor eine Logik für mich auf und ist auch auf das Phänomen anwendbar.

Der Satz von Hippokrates aus Kos lautet:

„Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt.“

Und diese Heilkräfte gehören jedem Menschen selbst, sind die Selbst-Heilungs-Kräfte, sind wesentliche Teile seines Lebens, seiner Existenz.

Sind im sinnlichen Zusammenspiel die Verbindung von Leib, Geist und Seele.

Schwingung

Zusammen-Spiel

Und mit dem Zusammen-Spiel ist kein belangloses Dahingeplänkel gemeint, sondern das, was ich unter dem Begriff Musik oder Musiké verstehe.

Klänge sind ihre Bestandteile, Klänge bestehend aus einer Farbe, einer Klang-Farbe, Geist ist ihr Inhalt, tönender Geist, die Seele ist die gestaltete Ethik, die Harmonik ihrer Gesetzmäßigkeit.

Und nichts ist beliebig.

Alles, jede minimale tönende Erscheinung im Eintreten in diese Welt, hat eine Aufgabe, eine Bedeutung, eine Wirkung auf alle Teile und auf das Ganze; und das Ganze ist mehr als die Teile, viel mehr.

Klänge sind so etwas wie die Bausteine, Musik ist die Beziehung, die äußerst vielfältige Systeme die Beziehung erst ermöglichen.

Nicht die Frequenz ist Bedeutungsträger, sie ist die geistfreie Feststellung der Höhe des Klangs im Bereich der Farbe, des Ober- oder Unterton-Spektrums.

Wenn die Indischen Musiker sagen: Nada Brahma – die Welt ist Klang, dann meinen sie nicht ein Reservoir von einzelnen Individuen, sondern die höchste denkbare Verbindung aller Wesen, der gesamten Materien, der Rhythmen, hoch komplex und sensibel zu handhaben.

Alles Melodische, aus der Sprache kommend, aus dem, was wir im Abendland als Lyrik bezeichnen würden, wobei der Indische Musiker auch hier wieder lächeln würde.

Schwingung

Was ist eigentlich Musik?

Was ist diese Musica, die Musik, la musique, the music?

Wikipedia meint,

„Musik ist eine Kunstgattung, deren Werke aus organisierten Schallereignissen bestehen. Zu Ihrer Erzeugung wird akustisches Material, wie Töne, Klänge und Geräusche innerhalb des für Menschen hörbaren Bereichs, geordnet…“

Obwohl ich die Edition durchaus für verdienstvoll erachte, ist genau diese Denkweise eine völlig an der Sache, dem Thema des Tönenden, Klingenden vorbeischrammend.

Musik ist, aus dem Denken der Musica Terra heraus, im Eigentlichen erst einmal keine Kunst, sondern Natur. Ob dieselbe dann hochgradig kunstvoll entwickelt ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Und sie ist auch keine Gattung, sondern wenn dann der Überbegriff von unendlich vielen Gattungen.

Musik ist, so wie der Wind, die Steine, der Regen, die Hütten, die Bäume, der Schnee … ein für die Existenz extrem bedeutungsvoller Teil aller Bestandteile dieses Planeten.

Alles, was aufzählbar ist, hat als einen seiner Bestandteile Musik und hat zu entdeckende Klänge, die sich wieder zu Musik zusammenfinden, nach Gesetzen, die die Wissenschaft versucht zu ergründen, woraus auch immer wieder neue Wissenschaften und Künste entstehen.

Schwingung

Alles hängt zusammen

Was sind „organisierte Schallereignisse“?

Alles, was wir Menschen „componieren“, basiert auf der Erkenntnis von Phänomenen, Materien, Wesen, Vorgängen, Zeichen, Planeten, deren Wesenhaftigkeit wir dann in Begriffen wie Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Logik, Grammatik, Rhetorik fassen.

Und versuchen, ihre Beziehungen zu verstehen, um sie dann zusammen mit der Musik zum lehrnotwendigen Quadrivium zu vereinen.

Es gibt nichts, was nicht Teil dieses Planeten und Teil des Universums wäre.

Und es gibt nichts, was nicht auch Teil dieser Lebewesen wäre, von denen ich, Sie, wir ein wichtiger Bestandteil sind.

Wenn ich erwähnt habe, dass Leib, Seele, Geist oder Physis, Psyche und Religion, oder was immer man für Begriffe hier wählen mag, das sind, was uns ausmacht, so sind natürlich beim Leib unser Knochenbau, unsere Organe, unsere Muskeln und der Blutkreislauf beinhaltet.

Genauso im Geist sämtliche damit zusammenhängenden Bereiche und auch die Seele ist ein aus Religion, Glauben, Ethik, Moral und vielem weiteren bestehender Teil von uns.

Alle Materie ist Schwingung

Alles, was ich jetzt aufgezählt habe, basiert darauf, dass es schwingt, dass alles auf Systemen unterschiedlichster Schwingungen beruht.

Das hat nun nichts mit Esoterik zu tun, sondern in erster Linie, um diese Schwingungen zu differenzieren, mit Physik.

Ein Satz wie: „Es gibt keine Materie, es gibt nur Schwingung“ stammt nicht von einem indischen Guru sondern von Max Plank. Dass diese Beziehungssysteme bis hin zu den neurologischen, psychischen und physischen Bereichen in ihrem Gesamtsystem bei einem Großteil unserer Spezies funktionieren, ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen.

Ich verzichte auf die Analyse unangenehmer Auswüchse, gehe den Schritt weiter und bezeichne alles, diesen Planeten, diese Welt, dieses Universum mit all seinen nicht zählbaren Vorgängen als eine Art Symphonie.

Ein, wie es im Wörterbuch steht „auf das Zusammenklingen des ganzen Orchesters hin angelegtes (Instrumental) Werk…“, „das ein Ganzes, eine reiche Gesamtheit, gewaltige Fülle” darstellt, „worin verschiedenartige Einzelheiten eindrucksvoll zusammenwirken“.

Diese Symphonie ist das, was man nach dem großartigen amerikanischen Komponisten Charles Ives ein „work in progress“ bezeichnet, ein sich permanent veränderndes Tun (work), das nicht festgehalten wird, sondern immer unterwegs ist.

Schwingung

Zusammen-Klingen

Es gibt kein Festhalten, sondern ein Immer-Weiter-Gehen.

Um was es geht, nennt das Wörterbuch das „Zusammenklingen“ – „ZUSAMMEN“, nicht auseinander, Kooperation und nicht Konkurrenz.

Dieses Zusammenklingen nennen wir Musiker die Harmonik, das Harmonikale, die sich immer weiterentwickelnden Systeme, die sich aus dem Zusammen-tönen-leben-klingen-träumen-sein von Bereichen herausbilden, die in sich selbst schon im Kleinen diese Bereiche realisieren und sich immer weiterentwickeln.

Ich habe dies im Fach „Harmonie-Lehre“ und „Tonsatz“ sicherlich über 40 Jahre lang an diversen Institutionen gelehrt und ich begann meine Lehre immer mit der Geschichte der ZusammenKlänge, der Denkweisen der Alten Griechen, der Römer, der Inder, der Chinesen, der Araber bis hin zur abendländischen elektronischen Musik mit folgenden Ausführungen:

„Im Mittelpunkt meiner gesamten Ausführungen zum Thema Musik, bestehend aus den bekannten Parametern, steht immer der Mensch, der im Klang lebt, mit dem Klang lebt, geprägt ist vom Klang, gelenkt wird von ihm, seine eigenen Klänge wahr-nimmt, seine eigene Innerlichkeit als Klang hört und spürt, in seiner Eigengesetzlichkeit diese Klänge lebt.

Er lebt auf der Erde, in der Musica Terra, der Musik des Planeten Erde, der Musik der Elemente, der Musik des Windes, des Wassers, des Feuers, der Erde.

Der Musik der Pflanzen, der Tiere, alles Belebten und Unbelebten. Diese Musica Terra bewegt sich in großen rhythmischen Zyklen, sie hat unterschiedliche Tempi, unterschiedliche, wechselnde Farben, unterschiedliche Harmonien und Melodien, unterschiedliche Räume und Richtungen. Jeder Mensch ist in seinem Hier-Sein, seinem Leben, Teil dieser Musica Terra; sie prägt ihn, gestaltet ihn, er geht mit ihr um.“

Musik ist ein Teil des schwingenden Weltalls
– Ferrucio Busoni

Das ist immer die Grundlage, die Bedeutung der Musik in der Kosmologie und der Kosmogonie.

Ohne das bleibt alles leere Hülle, oftmals ideologisches Geschwätz und eitler Smalltalk, nicht mehr.

Schwingung

Der Körper als Resonanzsystem

Jedes schwingende, tönende System ist immer auch ein Resonanzsystem, etwas, das nur in Verbindung zwischen zwei Bereichen zum Tönen gebracht wird, im Prozess des Wieder/wider-Klingens aber eine eigene systematische Klangdenkweise entwickelt.

So klingt zum Beispiel ein Kieselstein an sich ausnahmslos langweilig, wenn ich mit einem anderen Kieselstein auf ihn klopfe, auch das Innere der Hand klingt nicht oder unhörbar, wenn ich auf sie klopfe.

Wenn ich aber den Klang-Kiesel in meine Hand, meinen Handteller, lege, und, während ich auf ihm klopfe meine Hand verändere, die Finger dehne und danach die Finger wieder langsam und leicht entspanne, die Hand sozusagen auf und zu mache, kommen plötzlich zig verschiedene Töne aus dem Kiesel.

Was für ein wunderbares Erlebnis.

Ich kann durch die Bewegung der ganzen Hand ein Lied spielen, meistens spiele ich Hänschen klein, und meine Hand vibriert dazu.

Schwingung

Selbst-Heilungs-Kräfte

Die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf schreibt: „Alle Aufgaben unseres Körpers sind aufeinander harmonisch abgestimmt. Wenn wir seelisch und körperlich gesund sind, dann herrscht in unserem Körper ein inneres Gleichgewicht.“

Und mit Dr. Eckart Altenmüller füge ich hinzu: „Musik ist Teil der genetischen Grundausstattung des Menschen.“

So dachte ich mir, dass ich mich, nachdem im nächsten und übernächsten Newsletter noch ein anderes Thema daran ist, dass ich mich mit meinem riesigen Reservoir an Übungen, Seminaren, Büchern und Vorlesungen an eine Art Ratgeber für die Entwicklung und Pflege der eigenen, der Selbst-Heilungs-Kräfte des Menschen mache.

Vielleicht kommt noch das Netz dazu und ich setze mich an Klavier, Gitarre und Stein oder dergleichen. Auf jeden Fall werde ich dieses Projekt angehen und freue mich auf viele Teilnehmer.

Schwingung

Und am Schluss noch ein Zitat:

„Die Bewegung des Lebens ruht in Ihrer eigenen Musik.“
– Rabindranath Tagore

Herzlich
Ihr Klaus Fessmann