Und zu den Steinen hat einer gesagt

Zu den Steinen hat einer gesagt…

Es gibt ein Sprichwort:
Zu den Steinen hat einer gesagt…

Und der Satz geht weiter:
Zu den Steinen hat einer gesagt: Seid menschlich…

Aber was ist eigentlich menschlich? Ist menschlich…

…human sein?
…kooperativ sein?
…hilfsbereit sein?
…freundlich sein?
…gerecht sein?
…religiös sein?

Der obige Satz lautet vollständig:

Zu den Steinen hat einer gesagt: Seid menschlich!
Da antworteten die Steine: Wir sind noch nicht hart genug.

Eine Provokation? Eine Herausforderung sicherlich.

Ich hatte dies ein einziges Mal bei einem Konzert in Bad Herrenalb als Einführung rezitiert.

Die knapp 500 Zuhörer schrien faktisch auf. Vor Entsetzen, vor Wut, vor Verletzung? Wahrscheinlich alles von dem in einer eigenen Mischung.

Anschließend spielten Fried Dähn, Manfred Kniel und ich mit den Klangsteinen, dem Schlagwerk aus Wasser und Stein und dem Cello unsere Musik mit den Titeln:

Stein geworden … was … war
im fahlen Mondlicht
zur Dämmerzeit in Sonne verwandelt
aufgeschlagener Stein
Durchsichtigkeit wird…

Und wir nannten das Programm: CANTUS LAPIDUM (ANIMA?).

Die Seele der Steine, der Klang des Inneren dieser Materie, ist für mich eine Art Ur-Echo aus dem Beginn der Schöpfung.

Die Geschichte beschreibt dies als die Kosmogonie, die Entstehung der Welt.

Für mich ist es faszinierend, diese Kosmogonie als die Entstehung der Welt aus dem Klang zu verstehen.

Das Materielle entsteht aus dem Immateriellen, aus dem Tönenden, den Klängen der Musik.

Wo immer die Begriffe herrühren: Aus der Urknall-Theorie, aus der indischen Philosophie, physikalisch definiert, Chaos-theoretisch gedacht, religiös als Wort beschrieben.

Interessant für mich ist dieses Musikdenken, dieses Immaterielle. Dieses Immaterielle, das fest wird in der Materie, die zunächst Stein gewesen sein muss.

…Wenn ich den ersten Klang aus einem Stein durch die Berührung mit meinen Händen zum Tönen bringe, die empfindliche Vibration, dieses Zittern wahrnehme und den Ton, dieses große Gebilde spüre und höre, drängt sich mir diese Vorstellung auf, dass dieser Klang, dieser Ton, dieses schwingende Etwas dort seit Millionen von Jahren oder noch länger liegt … wo er ins Materielle transformiert wurde.

Dies schreibt ein Künstler, dessen Aufgabe es ist, zu spekulieren und so weit wie möglich frei zu denken.

Hören Sie hier Cantus Lapidum.